Eine wunderbare Konferenz hat zu einem fulminanten Ende gefunden. Mit einer kurzen aber heftigen Schlussdiskussion, die von Pavel geleitet und in seiner teils provozierenden Art und Weise stimuliert wurde, endete gestern um 18 Uhr die TDG Bonn 2009.
Ein bahnbrechendes Fazit das wir in die Welt hinaustragen koennen haben wir nicht finden koennen, aber das war von Anfang an klar. Trotzdem haben viele der anwesenden Forscher aus den unterschiedlichsten Teilbereichen der Astronomie zum ersten Mal gesehen, wie stark man das Standardmodell der Kosmologie anzweifeln kann (wenn man will/wenn man sich traut) und wie ernstzunehmend die Alternativen sind (wenn man sie ernst nehmen will/wenn man sich traut).
Gerade im Bereich der dunkle Materie Substrukturen um Galaxien wie der unseren offenbart sich eine Diskrepanz im Standardmodell, die sich nicht so einfach wegdiskutieren laesst. MOND zeigt jedoch ebenso grossen Diskrepanzen auf ganz anderen Skalen, so zum Beispiel innerhalb von Kugelsternhaufen im aeusseren Halo unserer Galaxie. Mit Sicherheit laesst sich momentan daher eigentlich nur sagen, dass weder CDM noch MOND eine vollstaendige Beschreibung des sichtbaren Universums liefern koennen. Vielleicht sollten wir daher doch alle auf Hong Sheng's Dark Fluid Theorie umsatteln... (wobei hier gesagt sei, dass diese DF Sache nur eine effektive Feldtheorie ist und noch nichts ueber die zugrundeliegende Physik aussagt, ob es nun massive Gravitonen, die an sich selbst koppeln sind, oder irgendein superschweres [SUSY/String-] Teilchen dass nur gravitativ [und vielleicht noch so ein bisschen anders] wechelswirkt, oder es einfach nur eine Eigenschaft des Raumes ist [eine modifierte ART], oder gar eine fuenfte Kraft [Quintessenz], darueber wird mit DF gar nichts ausgesagt - wer nun anzweifelt, dass sowas dann ueberhautp sinnvoll sei, der sollte sich mit Simon unterhalten, der ist der kompetentere Gespraechspartner in Sachen effektiver Feldtheorie)
Die Konferenzteilnehmer haben jedenfalls hier in Bad Honnef bewiesen, dass es moeglich ist, in einem angemessenen Rahmen ueber CDM und seine Alternativen zu diskutieren und dass Menschen, die sich mit Dingen wie MOND beschaeftigen nicht mit religioesen Fanatikern gleichzusetzen sind, die Intelligent Design proklamieren.
Ich habe mir von einigen Teilnehmern diesbezueglich Meinungen eingeholt und war echt ueberrascht zu hoeren, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen des Konfliktes zwischen CDMlern und MONDlern sind. Waehrend zum Beispiel in Groeningen eher eine Stimmung gegen CDMler herrscht (kein Wunder, da Bob Sanders als eines der MOND-Urgesteine dort sein Werk verrichtet), gibt es etwa in Cambridge eine extrem MOND-feindliche Stimmung. An manch einer Universitaet hatte man bis dato noch gar nichts von der Existenz einer alternativen Community, geschweige denn an dem Konflikt zwischen den beiden Communities gehoert.
Es besteht also viel Aufklaerungs- und Gespraechsbedarf. Insofern ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Konferenz, die vor drei Jahren vielleicht gerade mal eine Hand voll Teilnehmer gehabt haette, in den kommenden Jahren eine Fortsetzung findet!
Mein TouchGraph
Vor 9 Stunden
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